Auch alte Menschen sterben

Nicht wirk­lich über­ra­schend und wahr­lich kei­ne neue Infor­ma­ti­on: Auch alte Men­schen ster­ben. Den­noch war es dem Hos­piz­ver­ein Lands­hut wich­tig, das dies­jäh­ri­ge Lands­hu­ter Hos­piz­ge­spräch unter genau die­ses Mot­to zu stel­len.
Wozu braucht es für ein Ereig­nis, das seit Jahr­tau­sen­den tag­täg­lich auf der gan­zen Welt pas­siert, eigent­lich beson­de­re Auf­merk­sam­keit? Die­ser Fra­ge gin­gen die bei­den Vor­tra­gen­den beim Lands­hu­ter Hos­piz­ge­sprächs nach. Dr. Annick Höhn,lei­ten­de Ober­ärz­tin an der Akut­geria­trie am Kli­ni­kum Lands­hut und Dirk Mül­ler, Vor­sit­zen­der der Fach­ge­sell­schaft für Pal­lia­ti­ve Ger­ia­trie in Ber­lin arbei­te­ten zwei Pro­blem­krei­se her­aus.
Hoch­be­tag­te Pati­en­tIn­nen lei­den meist unter vie­ler­lei Krank­hei­ten und Sym­pto­men, die nicht im Gesamt­zu­sam­men­hang gese­hen wer­den. Um die­ser Situa­ti­on gerecht zu wer­den, bie­tet die pal­lia­ti­ve Ger­ia­trie die pas­sen­den Lösungs­an­sät­ze. Sie behan­delt nicht ein­zel­ne Sym­pto­me oder Lei­den, son­dern strebt eine ganz­heit­li­che Betreu­ung an, in die sowohl unter­schied­li­che medi­zi­ni­sche und pfle­ge­ri­sche Dis­zi­pli­nen als auch spe­zi­el­le Diens­te wie Ergo- oder Phy­sio­the­ra­pie ein­ge­bun­den sind. Dr. Höhn berich­tet von durch­wegs guten Erfah­run­gen, wenn eine pal­lia­ti­ve Ver­sor­gung der Pati­en­tIn­nen und Senio­ren­heim­be­woh­ne­rIn­nen so früh wie mög­lich beginnt. Vor allem, wenn eine ent­spre­chend spe­zia­li­sier­te Pfle­ge und pal­lia­ti­ve Behand­lung zusam­men­spie­len. Dazu emp­fiehlt sie, auch die Ange­hö­ri­gen früh­zei­tig in die Betreu­ung ein­zu­bin­den. Alles in allem ist pal­lia­ti­ve Ger­ia­trie also weit mehr als Ster­be­be­glei­tung.
Von gro­ßer Bedeu­tung ist Dirk Mül­ler zufol­ge in der Hos­piz­ar­beit auch die Selbst­be­stim­mung der Pati­en­ten. Was wün­schen sie sich, was tut ihnen gut, wie wol­len sie behan­delt wer­den? Schwie­rig ist es jedoch, in der täg­li­chen Arbeit im Senio­ren­heim, auch auf die Selbst­be­stim­mung der Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner zu ach­ten. Oft steht hier der Tages­ab­lauf dage­gen.
Wie lässt sich nun solch eine pal­lia­ti­ve Ver­sor­gung rea­li­sie­ren? Hilf­reich sind hier mit Sicher­heit die Mög­lich­kei­ten der Vor­sor­ge­pla­nung: etwa eine Pati­en­ten­ver­fü­gung oder die gesund­heit­li­che Ver­sor­gungs­pla­nung für die letz­te Lebens­pha­se. Das Instru­ment ist im Sozi­al­ge­setz­buch gere­gelt und der Hos­piz­ver­ein Lands­hut dis­ku­tiert des­sen Ein­füh­rung aktu­ell für die Regi­on Lands­hut mit den Senio­ren­hei­men.
In den Vor­trä­gen und in der anschlie­ßen­den Fra­ge­run­de wur­de deut­lich: Der wich­tigs­te Fak­tor bei der Ver­sor­gung alter, ster­ben­der Men­schen ist Zeit, ist die Zuwen­dung, die sie erhal­ten. Aber gera­de an der Zeit man­gelt es nicht sel­ten in den Senio­ren­hei­men. Dies zu ändern, müs­sen wir als gesamt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be leis­ten. Dazu gehört unbe­dingt, dass wir ein­for­dern, die in der Alten­hil­fe tätig sind, ent­spre­chend aus­zu­bil­den, zu wür­di­gen und zu ent­loh­nen. Nur dann wer­den sich mehr jun­ge Men­schen für die­sen Arbeits­be­reich begeis­tern und nur dann kann ein gutes Ster­ben am Lebens­en­de gelin­gen. Frei nach dem Mot­to des Hos­piz­ver­eins; Leben kön­nen, Ster­ben dür­fen.