Krea­ti­ve Mund­pfle­ge

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In der Ster­be­pha­se haben die betrof­fe­nen Men­schen oft einen tro­cke­nen Mund, da sie u.a. durch den Mund atmen. Dadurch trock­net die Mund­schleim­haut aus, was wie­der­um zu einem star­ken Durst­ge­fühl führt. Im fol­gen­den Text wol­len wir Ihnen an einem Bei­spiel dar­stel­len, wie eine gute Mund­pfle­ge am Lebens­en­de aus­se­hen kann.

Eine inten­si­ve Mund­pfle­ge ist eine der wich­tigs­ten Maß­nah­men, die wir ster­ben­den Men­schen anbie­ten kön­nen.

Robert Twy­cross

Frau Maser lebt seit zwei Jah­ren in einem Pfle­ge­heim. In den letz­ten Mona­ten ist sie kon­ti­nu­ier­lich schwä­cher gewor­den. Sie hat auf­grund einer Lun­gen­ent­zün­dung eini­ge Kran­ken­haus­auf­ent­hal­te hin­ter sich, das Inter­es­se am Essen und Trin­ken hat sie ver­lo­ren. Es scheint alles dar­auf hin­zu­deu­ten, dass Frau Maser in den nächs­ten Wochen ster­ben wird.

Für die Pfle­ge­kräf­te ist die Situa­ti­on schwie­rig, da die Toch­ter von Frau Maser sehr dar­auf bedacht ist, dass ihre Mut­ter genü­gend trinkt.  In einem Gespräch mit dem Haus­arzt, den Pfle­ge­kräf­ten der Sta­ti­on sowie der Toch­ter äußert die­se ihre Beden­ken: „Wir kön­nen mei­ne Mut­ter nicht ver­durs­ten las­sen! Sie stirbt doch, wenn sie nichts mehr isst und trinkt!“ Der Haus­arzt und die Pfle­ge­kräf­te kön­nen die Emo­tio­nen der Toch­ter nach­voll­zie­hen. In sehr ein­fühl­sa­men Wor­ten ver­su­chen sie ihr zu erklä­ren, dass Frau Maser in ihrer letz­ten Lebens­pha­se befin­det. In die­ser Lebens­zeit ist es völ­lig nor­mal, nichts mehr zu essen und zu trin­ken.  

Man stirbt nicht, weil man auf­hört zu essen und zu trin­ken, son­dern man hört auf zu essen und zu trin­ken, weil man stirbt.

Um jedoch ein Durst­ge­fühl bei den ster­ben­den Men­schen zu ver­mei­den, ist es sehr wich­tig, eine gute Mund­pfle­ge durch­zu­füh­ren.

Pfle­ge­kraft Eva berei­tet ein Mund­pfle­ge­set vor und stellt es auf das Nacht­käst­chen neben das Bett von Frau Maser. Bestand­tei­le des Mund­pfle­ge­sets ist u.a. eine Sprüh­fla­sche sowie Mund­pfle­ge­stäb­chen. Bei der behut­sa­men Inspek­ti­on des Mund­raums stellt Schwes­ter Eva fest, dass die Mund­schleim­haut aus­ge­trock­net ist. Aus der Zeit als Frau Maser noch agi­ler war, weiß Schwes­ter Eva, dass sie ger­ne zum Abend­essen ein Glas Rad­ler getrun­ken hat. Des­halb füllt sie die Sprüh­fla­sche mit Rad­le und befeuch­tet damit die Mund­schleim­haut. Vor­her kün­digt sie es der alten Dame an. Mit den Mund­pfle­ge­stäb­chen kann eben­so ver­fah­ren wer­den.

Das Durst­ge­fühl am Lebens­en­de hängt mit der Tro­cken­heit der Mund­schleim­häu­te zusam­men, nicht mit der Men­ge zuge­führ­ter Flüs­sig­keit.

Prof. Dr. Bor­a­sio

Als die Toch­ter von Frau Maser ins Zim­mer kommt, zeigt ihr Schwes­ter Eva, wie die Mund­pfle­ge durch­ge­führt wird. Dies hat zwei Vor­tei­le: Zum einen hat die Toch­ter von Frau Maser etwas zu tun und sie tut ihrer Mut­ter was Gutes. Zum ande­ren ist es auch eine Erleich­te­rung für Schwes­ter Eva, wenn sie nicht alle hal­be Stun­de ins Zim­mer kom­men muss.