Wer trau­rig ist, ist gut dran, wenn er Lars* zum Freund hat: Denn der kommt dann vor­bei mit sei­ner kom­plet­ten Anla­ge und macht Musik und Par­ty mit ihm, bis die Trau­er ver­fliegt und er auf ande­re Gedan­ken kommt. Die­se tat­kräf­ti­ge „Trau­er­hil­fe“ schlägt der Viert­kläss­ler aus der Gündlk­ofe­ner Grund­schu­le vor – im Rah­men des Schul­pro­jekts „Hos­piz geht in die Schu­le“. Der Hos­piz­ver­ein Lands­hut führt den Kurs in drit­ten und vier­ten Grund­schul­klas­sen auf Wunsch von Leh­re­rIn­nen und Eltern durch.

Vier Tage lang für jeweils zwei­ein­halb Stun­den ist das ehren­amt­li­che Team des Hos­piz­ver­eins in der Pro­jekt­klas­se und beschäf­tigt sich gemein­sam mit den Schü­le­rInn­nen mit den The­men krank- sein, Ver­gäng­lich­keit, Trau­ern, Ster­ben und Trös­ten.

Vie­le Erwach­se­ne den­ken, das sei doch kein The­ma für Kin­der. Doch das ist ein gro­ßer Irr­tum. Denn viel mehr Schul­kin­der als man denkt hat­ten bereits Berüh­rungs­punk­te mit dem Ster­ben. Sie haben Oma oder Opa, einen Onkel, Tan­te oder gar ein Eltern­teil oder Geschwis­ter­kind oder auch nur ihren Hund ver­lo­ren.

Sie ste­hen dann wie Erwach­se­ne vor die­ser gro­ßen Lücke, die die Ver­stor­be­nen hin­ter­las­sen – und Kin­der trau­ern anders als Erwach­se­ne. Wenn die Erwach­se­nen sie dann aus dem gut gemein­ten Beweg­grund, sie „schüt­zen zu wol­len“ aus dem Trau­er­pro­zess aus­klam­mern oder in der eige­nen Trau­er nicht wahr­neh­men, dass ihre Kin­der lei­den und unsi­cher sind, dann blei­ben Fra­gen und Unsi­cher­hei­ten und kön­nen zu Ängs­ten wer­den.

Des­halb hat es sich das Pro­jekt „Hos­piz geht in die Schu­le“ zur Auf­ga­be gemacht, sich mit Schul­kin­dern damit aus­ein­an­der­zu­set­zen, dass zum Leben auch das Ster­ben gehört. Mit Geschich­ten, Lie­dern, Bas­tel­ar­bei­ten, Film, Bil­dern und Pan­to­mi­me eröff­nen sich den Kin­dern alters­ge­rech­te Mög­lich­kei­ten, das The­ma zu bear­bei­ten. Ein wich­ti­ges Ele­ment ist dabei die Arbeit in klei­nen Grup­pen, in denen Kin­der ihre Fra­gen stel­len kön­nen, die sie sich viel­leicht noch nie zu stel­len trau­ten und wo sie ihre Gedan­ken dazu offen aus­spre­chen kön­nen. „Dabei ist es uns ganz wich­tig, dass jedes Kind zu Wort kommt, das etwas sagen möch­te, aber kei­nes etwas erzäh­len muss“, betont Pro­jekt­lei­te­rin Mar­tha Ran­ners­ber­ger. Ihr Team ach­tet auch genau dar­auf, dass kei­ne Fra­ge, die gestellt wur­de, unbe­ant­wor­tet bleibt.

Auch wenn die Ant­wort auf die Fra­ge „Was kommt nach dem Tod“ lau­tet: „Das wis­sen wir nicht“. Doch in der Arbeits­grup­pe füll­ten die Kin­der die­se Wis­sens­lü­cke dann mit ihrer Fan­ta­sie und ihren Hoff­nun­gen und mal­ten gol­de­ne Engel, bun­te Wie­sen im Son­nen­schein oder auf Eli­sa* war­tet im Him­mel schon die Oma mit offe­nen Armen.

Es ent­stan­den auch wie­der wun­der­schö­ne, gebas­tel­te „Trost­wie­sen“, auf denen die Kin­der ihre Gedan­ken auf Blu­men auf­schrie­ben: Was sie brau­chen, um getrös­tet zu wer­den und was sie ande­ren Gutes tun, wenn die­se trau­rig sind. Wie eben Lars, der mit sei­ner Musik vor­bei­kommt zum Trös­ten. Auf bun­te Schmet­ter­lin­ge kleb­ten die Kin­der ihre Baby- und Kin­der­gar­ten-Fotos, und befass­ten sich so mit Ver­än­de­run­gen, die der Mensch im Lau­fe sei­nes Lebens erfährt. Ein Höhe­punkt des Pro­jekts war auch dies­mal wie­der der Besuch einer Ärz­tin oder eines Kran­ken­pfle­gers, die den Kin­dern alle Fra­gen beant­wor­ten, die sie schon immer zu Krank­hei­ten stel­len woll­ten. Und die „Gro­ßen“ sind dann oft erstaunt, wel­che dra­ma­ti­schen Krank­hei­ten die Kin­der aus Fern­se­hen, Inter­net, aus Gesprä­chen oder auch aus Erfah­rung in der Ver­wandt­schaft mit­be­kom­men und die sie beun­ru­hi­gen. Wenn dann die Kran­ken­schwes­ter bestä­tigt, dass man auch „nach dem drit­ten Herz­in­farkt nicht unbe­dingt gleich ster­ben muss“, fällt schon mal ein gro­ßer Stein vom Her­zen.

Das Pro­jekt bewirkt oft auch ganz kon­kre­te Anstö­ße bei den Kin­dern. Wie bei Sebas­ti­an*, der wie sei­ne Leh­re­rin, Frau Ruba­ni­uk, erzähl­te, „nur sehr ungern malt und er plötz­lich mit Begeis­te­rung ein bun­tes, detail­lier­tes Bild zau­bert, auf dem genau zu sehen ist, wie er es sich vor­stellt, wie es nach dem Tod wei­ter­geht. Und nicht nur die Leh­re­rin gab dem Hos­piz­ver­eins-Team gute Noten, auch die Kin­der mein­ten ein­hel­lig, dass es auch sehr viel Spaß gemacht hat. „Es ist jedes Mal anders, jedes Mal span­nend und jedes Mal wun­der­schön“, beschreibt Mar­tha Ran­ners­ber­ger die Pro­jekt­ar­beit mit Schul­kin­dern und freut sich schon auf das nächs­te Mal.

Grund­schu­len, die an dem Pro­jekt für ihre drit­ten oder vier­ten Klas­sen Inter­es­se haben, kön­nen sich ger­ne im Hos­piz­ver­ein Lands­hut mel­den.

*Name von der Redak­ti­on geän­dert

Evi Hierl­mei­er