Trau­er und Trau­ern hat sich der Hos­piz­ver­ein Lands­hut in die­sem Jahr als The­ma gewählt. „Ohne ange­mes­se­ne Trau­er, kön­nen die Men­schen den Tod eines gelieb­ten Men­schen nur schwer ver­ar­bei­ten“, erklärt  Kuni­bert Her­zing, Vor­stand des Hos­piz­ver­eins Lands­hut.

„Aber wir haben das Trauern verlernt. Unsere Gesellschaft gestattet es uns nicht mehr, allzu lange über den Tod eines Menschen traurig zu sein. Trauern ist in unserer Gesellschaft zum Tabu-Thema geworden.“

Kunibert Herzing

Der Hos­piz­ver­ein sieht des­halb nicht den Tod eines zu Beglei­ten­den als Abschluss sei­ner Arbeit, son­dern er rückt die Trau­er­ar­beit ver­stärkt in den Mit­tel­punkt. Sie ist heu­te fes­ter Bestand­teil der Lands­hu­ter Hos­piz­ar­beit und auf der dies­jäh­ri­gen Mit­glie­der­ver­samm­lung des Ver­eins, stell­te der Vor­stand die Inhal­te des Schwer­punkts sei­nen Mit­glie­dern vor: So nimmt die Trau­er­ar­beit heu­te einen wesent­lich grö­ße­ren Raum in der Aus­bil­dung zur Hos­piz­be­glei­te­rIn ein. Ein vol­ler Tag ist dem The­ma gewid­met und ein eige­ner Arbeits­kreis Trau­er unter der Lei­tung von Pia Schnei­der­bau­er, Beauf­trag­te inner­halb des Vor­stands für die Trau­er­ar­beit, ent­wi­ckelt und betreut eine Rei­he unter­schied­li­cher Ange­bo­te für Trau­ern­de.

Wie den Anwe­sen­den auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung erläu­tert wur­de, kann der Ver­ein Dank einer sta­bi­len finan­zi­el­len Basis die­sen neu­en Arbeits­be­reich per­so­nell gut aus­stat­ten: 15 Hos­piz­be­glei­te­rIn­nen haben bereits die klei­ne Basis­qua­li­fi­ka­ti­on zur „Trau­er­be­glei­te­rin“ absol­viert. Davon star­ten drei dem­nächst mit dem Auf­bau­kurs zur „gro­ßen Basis­qua­li­fi­ka­ti­on“, Pia Schnei­der­bau­er schließt die­se, gemäß den Richt­li­ni­en des Bun­des­ver­bands Trau­er­be­glei­tung im Herbst ab. Die Kos­ten für die­se umfas­sen­den Zer­ti­fi­zie­run­gen trägt größ­ten­teils der Ver­ein.

Trau­Dich-Kul­tur in der Pra­xis

Wie muss man sich die Trau­er­ar­beit beim Hos­piz­ver­ein Lands­hut kon­kret vor­stel­len?

„Wir wollen den Trauernden wieder eine Tür zurück ins Leben öffnen und sie dabei begleiten.Trauer ist in unserer Gesellschaft nicht mehr salonfähig, wir können mit Gefühlen wie 'traurig sein' nicht mehr umgehen, jedenfalls nicht über längere Zeit. Da sie kein Verständnis bei anderen finden, vereinsamen Trauernde oft.“

Pia Schneiderbauer

Bekannt ist bereits das monat­li­che „Trau­Dich-Café“ unter Lei­tung von Doro­thea von der Heydte. Dort fin­den Betrof­fe­ne seit rund zehn Jah­ren die Mög­lich­keit des Gesprächs und Gedan­ken­aus­tauschs mit Gleich­ge­sinn­ten unter Anlei­tung erfah­re­ner Beglei­te­rIn­nen. Neu kom­men nun Akti­vi­tä­ten hin­zu wie gemein­sa­me Früh­lings­spa­zier­gän­ge, Kon­zert- und Thea­ter­be­su­che, Kul­tur­füh­run­gen sowie Tref­fen in der Grup­pe oder  auch Ein­zel­be­glei­tun­gen.

Ab dem Som­mer wird  der Hos­piz­ver­ein Lands­hut im Ach­dor­fer Kran­ken­haus ein zusätz­li­ches, offe­nes Tref­fen für Trau­ern­de anbie­ten. Der Trau­Dich-Treff wird ähn­lich dem Trau­Dich-Café monat­lich statt­fin­den und ist ohne Anmel­dung zu besu­chen.