Krisen-ZIB

Was Pflegekräfte und Bewohner von Pflegeheimen – nicht nur in Zeiten von Corona – schmerzlich vermissen, ist Zeit. Zeit abseits der Hektik des Pflegealltags, Zeit zum Zuhören, Zeit für ein Gespräch, Zeit für palliative Betreuung. Mit dem Personalschlüssel in stationären Pflegeeinrichtungen lässt sich dieser Bedarf nicht abdecken. Diesem Mangel wollte die Paula-Kubitschek-Vogel-Stiftung aus München entgegenwirken und startete 2018 zusammen mit dem Hospizverein Mühldorf das Modellprojekt „Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim“, kurz ZiB, das mit dem Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ausgezeichnet wurde. Seit diesem Jahr ist auch der Hospizverein Landshut bei ZiB mit dabei. ZiB schenkt den Pflegeheimen ein Zeitkontingent, indem es zusätzliche Pflegekräfte extern finanziert – in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Hospizvereinen.

"ZiB stößt bei den Pflegekräften auf große Begeisterung. Sie empfinden die ZiB-Stunden nicht als zusätzliche Aufgaben, sondern als Bereicherung im hektischen Pflegealltag. Es macht den Pflegekräften viel Freude, sich die Zeit nehmen zu ‚dürfen‘. Die Bewohner genießen die Zuwendung mit sehr viel Dankbarkeit, Angehörige nehmen ZiB als Geschenk wahr."

Barbara Kollross
Die Hospizvereine werden von der Stiftung als Projektträger gefördert. Diese suchen sich jeweils lokale Pflegeheime als Projektpartner. In Landshut sind dies aktuell das Matthäusstift der Diakonie, das St.-Jodok-Stift, das St.-Rita-Heim der Caritas und das AWO Seniorenheim. Ein bis zwei Mitarbeiter des Heimes sind dabei auf geringfügiger Basis beim Hospizverein angestellt und mit einem zusätzlichen Stundenkontingent (zehn bis 20 Stunden im Monat) für die Heime ausgestattet. Diese „geschützte Zeit“ sollen sie ausdrücklich für palliative Betreuung nutzen, für persönliche Gespräche in Lebenskrisen mit Bewohnern oder Angehörigen, für eine wohltuende Pflegeeinheit, eine Notfallplanung mit dem Hausarzt oder die Besprechung einer Patientenverfügung. Dazu können die Zeitkontingente von ZiB auch genutzt werden, um innerhalb des Heims palliatives Wissen weiterzugeben. Neben einer grundlegenden Verbesserung der Lebensqualität hilft ZiB aber auch dabei, unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden. Voraussetzung für die „ZiB-Kräfte“ ist eine Qualifikation in palliativer Pflege. Die Rolle des Hospizvereins besteht darin, als Arbeitgeber die Kräfte zu koordinieren, Heime und Einsatzkräfte zu vernetzen und die ZiB-Kräfte zu betreuen und zu begleiten. Die dafür nötigen Personalkosten des Hospizvereins werden aus den Fördermitteln der Kubitschek-Vogel-Stiftung bestritten.  

„Ich bin sehr beeindruckt von der enormen Motivation  und einer wiedererwachten Berufsfreude, mit der die ZiB-Kräfte agieren“, sagt Kollross. „Ich hoffe deshalb sehr, dass das Projekt fortgeführt und auch auf andere Einrichtungen in Landshut ausgeweitet wird. Und vielleicht wird nach dem Projekt in jeder Einrichtung ein Palliativbeauftragter tätig sein.“

Barbara Kollross
Übergeordnetes Ziel des Gesamtprojekts ist  letztendlich, die palliativ-hospizliche Methoden und deren Vorgehensweisen langfristig als Standard in den Einrichtungen einzuführen und auszubauen. Damit wir „den letzten Tagen mehr Leben geben können“.

Radioreportage über das ZiB-Projekt:

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